Gastronomen in der Corona-Krise – Interview mit Martin Ringler

Als Martin und Valerie Ringler 2012 ihren Imbiss am Sendlinger Tor eröffneten, stand ich mit meinem Blog ebenfalls gerade am Anfang. Das Ringlers war einer der ersten Läden, die ich damals besucht habe. Seitdem hatten Martin und ich viele Schnittpunkte und ich habe ihn als absoluten Kämpfer kennengelernt, der immer ein kreatives Eisen im Feuer hat. Da hat sich die Idee förmlich aufgedrängt, dass ich Martin zur aktuellen Situation für mein Projekt „Gastronomen in der Corona-Krise“ interviewe und fotografiere.    

Martin, danke, dass Du Dir Zeit für dieses kurze Interview nimmst. Was belastet Euch in der aktuellen Situation am meisten? 

Danke für deinen Besuch bei uns! Aufgrund unserer vielseitigen Ausrichtung waren/sind wir ganz unterschiedlich betroffen. Unser Laden, das „RINGLERS“ in der Sendlinger, war zum Beispiel trotz Shut Downs als Take Away-Betrieb durchgehend geöffnet. Der überwiegende Großteil unseres Geschäfts, zum Beispiel Caterings, Sommer-Tollwood, Auer Dult, Messen, Festivals und Veranstaltungen, wurde ja bis auf Weiteres komplett abgesagt. Kurz gesagt, wir befinden uns aktuell im Notfallmanagement-Modus und kämpfen. Wir hoffen weiter auf gute Nachrichten, damit wir Planungssicherheit bekommen.

Mit welchen Mitteln kämpft Ihr gegen die Krise?

Offen gesprochen haben wir uns Anfang März sofort auf die neue Situation eingestellt. Wir haben unseren kompletten Betrieb auf den Kopf gestellt, um ihn dann für diese Zeit neu aufzustellen. Neben der Einführung eines Lieferdienstes, haben wir die Öffnungszeiten nicht verkürzt, sondern extrem verlängert. Gebucht waren unsere Food Trucks eigentlich für Firmenveranstaltungen, jetzt sind wir aber seit acht Wochen als Kantinenersatz mobil in München unterwegs. Mit Glück, bzw. über meinen Freundeskreis und unser Netzwerk wurden wir auch schnell in lokale Hilfsprojekte eingebunden. Beispiele hierfür sind die #WeComeBackStronger-Aktion oder die Mittagsversorgung bei Krankenhäusern.

Der Aufwand ist enorm, wir arbeiten als Team gerade „Vollgas am Limit“. Jeder zieht mit! Priorität 1 -> Kurzarbeit irgendwie vermeiden!

Habt Ihr Euer Angebot auch angepasst?

Wir haben tatsächlich unser Angebot nochmals erweitert. In unseren Food Trucks gibt es jetzt beispielsweise, ergänzend zu unseren Grill Sandwiches, auch jeweils eine wechselnde Tageskarte. Heute z.B. steht ein Fahrzeug am Justizministerium / Oberlandesgericht und bietet unter anderem so leckere Sachen wie Kalbsrahmgulasch mit Spätzle, vegetarische Frühlingsquiche mit Beilagensalat und natürlich unser Ox Grill-Sandwich an.  Der Aufwand ist enorm, wir arbeiten als Team gerade „Vollgas am Limit“. Jeder zieht mit! Priorität 1 -> Kurzarbeit irgendwie vermeiden!

Was wünscht Du Dir von der Politik?

Zunächst ist weiterhin einen verantwortungsvoller Umgang mit der schwierigen Situation wichtig, keine Frage! Aber sicher würde ich mir mehr, bzw. eine bessere Kommunikation für/in unsere Branche wünschen! Wir als Hospitality-Branche sind sehr vielschichtig und unterschiedlich! Jeder nimmt die Situation anders war. Mir fehlt der Glaube daran, dass politisch, gastronomisch und wirtschaftlich alle Ressourcen genutzt wurden und werden, um Lösungen zu finden.

By the Way, ich bin z.B. beeindruckt über die Kreativität von anderen Städten / Ländern mit dieser Krise in der Gastro umzugehen. Unter anderem werden Freischankflächen unkompliziert erweitert, bzw. auf Parkplätzen genehmigt oder Verzehrgutscheine für Gastrobetriebe seitens Behörden gekauft und verschenkt.

Besonders beeindruckt mich aber der Zusammenhalt in unserer Branche und auch der Support von unseren Gästen. Ich werde diese Zeit ( die hoffentlich nicht mehr lange andauert ) nie vergessen. Es war geschäftlich bis jetzt die emotionalste Zeit meiner Selbstständigkeit, aber wir sind gekommen um zu bleiben!

Lieber Martin, danke Dir für deine offenen Worte und viel Erfolg für alle Eure Aktivitäten! 

Sehr gerne und hoffentlich bis bald!

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