Gastronomen in der Corona-Krise – Interview mit Nikolaus vom Bapas

Der Großteil meines Freundeskreises arbeitet in der Hotellerie bzw. in der Gastronomie. Durch den täglichen Austausch mit ihnen bekomme ich ihre Sorgen und Nöte quasi hautnah mit und sehe, wie sie mit ihrem Schicksal hadern. Was man aber auch beobachten kann, ist, dass wohl kaum eine Branche so wandelbar und kämpferisch ist, wie die Gastronomie. Es werden neue Ideen kreiert, wie man der drohenden Pleite entgehen könnte und wie man sich gegenseitig unterstützen kann. Das hat mich dazu bewogen, diesen Gastronomen eine Plattform zu geben und sie zu diesem Zweck zu interviewen und ein paar Portraits zu schießen. Den Anfang macht Nikolaus vom Bapas in München. Seit mehr als drei Jahren ist er für das bayerische Tapas-Restaurant verantwortlich und lässt sich auch von Corona nicht unterkriegen. Aber lest selbst…

Nikl, danke, dass Du Dir Zeit für mich nimmst. Was belastet Euch in der aktuellen Situation am meisten?

Sehr gerne Ben ;-). Unser Hauptgeschäft findet in der Regel abends statt, wir haben außerdem viele Firmenessen und somit große Gruppen. Dieses Geschäft wird es für einige Zeit wohl nicht mehr geben und das zu ersetzen wird sehr schwer. Auch ist fraglich, wie realistisch es für die Gastronomie im Generellen ist, mit Abstandsbeschränkungen und Maximalanzahl von Personen gleiche Umsätze wie vor der Krise zu erreichen.

Wie kämpft ihr gegen die Krise?

Wir haben heute ein To Go-Geschäft begonnen und hoffen damit genug Umsatz zu generieren um unsere Mitarbeiter zumindest teilweise aus der Kurzarbeit zurück zu holen. Die meisten ignorieren, dass Gehälter in der Gastronomie sehr gering sind und daher auch das Kurzarbeitergeld, welches bei den Kollegen ankommt, oft bei weitem nicht ausreicht. Hier versuchen wir zu unterstützen. Außerdem werden die zahlreichen Zulieferer, die auch für die Vielfalt an Produkten in der Gastronomie verantwortlich sind, vergessen. Die haben es genauso schwer, ihr Geschäft zu erhalten. Deren Pleiten werden auch einen direkten Einfluss auf die Vielfalt und Attraktivität der Branche haben.

Was bietet Ihr bei Eurem To Go-Angebot an?

Wie versuchen mit unserem Angebot eben diese langjährigen Partner zu unterstützen. Zum Beispiel kann man sich mit Bieren von verschiedenen Brauereien wie dem Riedenburger Brauhaus, Hoppebräu oder Isar Bier sein individuelles Six-Pack zusammenstellen. Auch bieten wir Spirituosen für den abendlichen Aperitif auf der Couch an. Hier haben wir unter anderem SissiS Schnäpse, Duke Gin und Lions Vodka im Sortiment. Von der Öko Bäckerei- und Konditorei Mauerer bieten wir super leckere Backwaren und dazu passenden Kaffee von der Rösterei Dinzler an. Außerdem haben wir noch einen leckeren Mittagstisch mit täglich wechselnden Gerichten, den wir zusammen mit dem Gusto Catering Service zusammen bespielen. Megaaa lecker :-)!

 

Was wünscht Du Dir von der Politik?

Zuerst möchte ich sagen, dass ich mir über die Größenordnung der Herausforderung bewusst bin, welche die Politik gerade zu meistern hat. Jede Branche will ihren Teil der Unterstützung haben – und das so schnell wie möglich. ABER: Keine Branche ist so unmittelbar und von außen bestimmt beeinflusst von dieser Krise, wie das Gastgewerbe. Wir waren die Ersten, denen gesagt wurde: „Ihr müsst schließen!“. Und wir werden sehr sicher die Letzten sein, die wieder öffnen dürfen. Die Verluste und laufenden Kosten sind immens. 7% auf Speisen für 12 Monate ab Juli 2020 ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber wie soll das einen Impact haben, wenn kein Umsatz da ist? Was passiert mit dem verlorengegangenen Umsatz? In der Gastronomie sind verlorene Tage nun mal verloren. Es gibt keinen Nachholeffekt. Um deine Frage zu beantworten: In erster Linie muss die Regierung die Steuersenkungen auf alle Artikel ausweiten und rückwirkend zum 1.1.2020 geltend machen. Zweitens muss die Regierung die Mietzahlungen unterstützen, entweder durch Übernahme jener oder die Vermieter unterstützen damit diese die Miete erlassen können. Ein Kredit, der 3% Zinsen fordert und nicht erwirtschaftet werden kann, ist keine Hilfe. Warum 3% ? Warum nicht 1% oder 0%? Drittens: Eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes für Geringverdiener, wie vor kurzem beschlossen. Nur schneller, damit die Mitarbeiter auch weiterhin ihre Rechnungen bezahlen können.

Danke für die Einblicke Nikl und danke für deine klaren und ehrlichen Worte. Ich drücke Dir die Daumen für ein erfolgreiches To Go-Geschäft und ein baldiges Ende der Schließung des Gastbereiches!

Sehr gerne Ben und hoffentlich bis bald!

Weitere Restaurants bei denen Ihr während der Ausgangsbeschränkungen Euer Essen abholen könnt, findet Ihr hier.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.